PMOS – mehr als eine Zyklusstörung

Das polyzystische metabolische Ovarialsyndrom (PMOS), früher auch als PCOS bezeichnet, ist eine häufige hormonelle und Stoffwechselstörung. Sie betrifft den Hormonhaushalt und den Stoffwechsel und kann dadurch nicht nur die Regelmäßigkeit des Menstruationszyklus, sondern auch die Fruchtbarkeit und die langfristige Gesundheit beeinflussen. Schätzungsweise ist etwa jede achte Frau betroffen.

Die Beschwerden können von Frau zu Frau sehr unterschiedlich sein. Typisch sind beispielsweise unregelmäßige oder ausbleibende Monatsblutungen sowie ein unerfüllter Kinderwunsch aufgrund von Störungen des Eisprungs. Auch Hautveränderungen wie Akne oder fettige Haut können auftreten. Weitere mögliche Anzeichen sind eine vermehrte Körperbehaarung, beispielsweise an Kinn, Brust oder Bauch, sowie Haarausfall. Manche Betroffene haben außerdem mit Übergewicht oder Schwierigkeiten beim Abnehmen zu kämpfen. Müdigkeit, Erschöpfung, Stimmungstiefs oder depressive Beschwerden können ebenfalls vorkommen. Wichtig ist jedoch: Nicht jede Frau mit PMOS hat alle diese Beschwerden. Die Erkrankung kann auch bei normalem Körpergewicht auftreten.

Eine wichtige Verbindung zwischen PMOS und Stoffwechsel ist die Insulinresistenz. Dabei reagieren die Körperzellen weniger empfindlich auf Insulin. Der Körper versucht dies auszugleichen, indem er mehr Insulin produziert. Ein erhöhter Insulinspiegel kann wiederum die Wirkung männlicher Hormone, der sogenannten Androgene, verstärken. Dadurch können beispielsweise Akne, vermehrte Körperbehaarung oder Haarausfall begünstigt werden. Gleichzeitig kann die hormonelle Regulation der Eierstöcke gestört werden. Dies kann zu einem unregelmäßigen oder ausbleibenden Eisprung und damit zu Zyklusstörungen führen. So kann ein regelrechter Kreislauf aus Stoffwechsel- und Hormonstörungen entstehen.

Wie wird PMOS diagnostiziert?

Für die Diagnose gibt es keinen einzelnen beweisenden Test. Bei Erwachsenen wird PMOS in der Regel diagnostiziert, wenn zwei von drei Kriterien erfüllt sind und andere mögliche Ursachen ausgeschlossen wurden.

Das erste Kriterium ist eine ovulatorische Dysfunktion, also ein fehlender oder unregelmäßiger Eisprung. Hinweise darauf können unregelmäßige, stark verlängerte Zyklen oder seltene beziehungsweise ausbleibende Monatsblutungen sein. Auch bei scheinbar regelmäßigen Blutungen kann in bestimmten Fällen trotzdem eine Ovulationsstörung vorliegen.

[Bild 4: Kalender mit markiertem unregelmäßigem Menstruationszyklus]Das zweite Kriterium ist ein Hyperandrogenismus, also ein erhöhter Einfluss männlicher Geschlechtshormone. Dieser kann sich äußerlich durch Hirsutismus, Akne oder androgenetischen Haarausfall zeigen. Zusätzlich können erhöhte Androgenwerte im Blut nachgewiesen werden. Dazu gehören beispielsweise Gesamt-Testosteron, freies Testosteron beziehungsweise der Free Androgen Index sowie gegebenenfalls Androstendion oder DHEAS. Besonders bei der Bestimmung von Testosteron kann ein präzises Laborverfahren wie LC-MS/MS sinnvoll sein.

Das dritte Kriterium betrifft die polyzystische Ovarmorphologie oder ein erhöhtes AMH (Anti-Müller-Hormon). Eine entsprechende Eierstockstruktur kann mittels Ultraschall festgestellt werden. Alternativ kann bei geeigneten Voraussetzungen ein erhöhtes AMH im Blut berücksichtigt werden. Wichtig ist jedoch, dass AMH allein keine PMOS-Diagnose ermöglicht.

[Bild 6: Ultraschallbild bzw. schematische Darstellung eines Eierstocks mit vielen kleinen Follikeln]

Vor der Diagnosestellung sollten andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, die ähnliche Beschwerden verursachen können. Dazu gehören beispielsweise Schilddrüsenerkrankungen, erhöhte Prolaktinwerte, ein nichtklassisches adrenogenitales Syndrom oder eine Schwangerschaft. Je nach Situation müssen außerdem weitere Ursachen wie ein Cushing-Syndrom oder ein androgenproduzierender Tumor berücksichtigt werden. Bei sehr stark erhöhten Testosteronwerten oder einem ungewöhnlich schnell fortschreitenden Krankheitsbild sollte deshalb immer auch an seltenere Ursachen gedacht werden.

Der Stoffwechsel sollte ebenfalls untersucht werden

PMOS betrifft nicht nur den Zyklus und die Hormone. Auch der Stoffwechsel sollte unabhängig von der eigentlichen PMOS-Diagnose regelmäßig überprüft werden. Dazu gehören der Zuckerstoffwechsel, der Fettstoffwechsel, der Blutdruck, das Körpergewicht beziehungsweise der Bauchumfang sowie Bewegung und Ernährung.

Beim Zuckerstoffwechsel können unter anderem die Nüchternglukose und der HbA1c untersucht werden. Je nach Situation kann auch ein oraler Glukosetoleranztest sinnvoll sein. Beim Fettstoffwechsel stehen insbesondere Cholesterin und Triglyzeride im Mittelpunkt. Außerdem sollten Blutdruck und Gewicht regelmäßig kontrolliert werden.

Der Grund dafür ist, dass PMOS mit einem erhöhten Risiko für Prädiabetes und Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck verbunden sein kann. Dadurch kann langfristig auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weitere Folgeerkrankungen steigen.

Was kann man gegen PMOS tun?

Die Behandlung richtet sich immer nach den individuellen Beschwerden, den persönlichen Zielen und der jeweiligen Lebenssituation. Eine wichtige Grundlage bildet ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung. Dadurch können Stoffwechsel und Wohlbefinden positiv beeinflusst werden.

Je nach Beschwerden und Therapieziel können außerdem Medikamente eingesetzt werden. Beispielsweise kann Metformin bei bestimmten Stoffwechselproblemen infrage kommen. Auch hormonelle Behandlungen können je nach Situation eine Rolle spielen.

Die Therapie kann außerdem gezielt auf einzelne Beschwerden ausgerichtet werden. Dazu gehören beispielsweise Zyklusstörungen, Akne, vermehrte Körperbehaarung oder Haarausfall. Bei bestehendem Kinderwunsch stehen wiederum andere Behandlungsmöglichkeiten im Vordergrund. Ziel kann dann sein, den Eisprung zu unterstützen und dadurch die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen.

Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind ebenfalls wichtig. Dabei können Stoffwechsel, Blutdruck, Gewicht und weitere individuelle Risikofaktoren überprüft werden. Je früher PMOS erkannt und behandelt wird, desto besser lassen sich Beschwerden behandeln und langfristige gesundheitliche Risiken reduzieren.

Wichtig

PMOS ist mehr als eine Zyklusstörung. Die Erkrankung kann Hormone, Eisprung, Haut, Haare, Fruchtbarkeit und den Stoffwechsel gleichzeitig beeinflussen. Deshalb ist eine ganzheitliche Betrachtung wichtig. Wer mehrere der genannten Beschwerden bei sich wiedererkennt, sollte diese gezielt mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen und PMOS als mögliche Ursache ansprechen.